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lang...lang ists her

...dass ich das letzte Mal geschrieben habe. Ich selbst vermute es hat damit zu tun, dass es mir sehr gut ging. Mein Leben war eine einfach gerade Linie ohne besondere Ausschweifungen, ich habe mein FSJ begonnen, die Wochenenden mit Maik verbracht. Sina und Mira ab und an getroffen. Ich war oft im Kino, habe Billard gespielt und meinen gesamten Freundeskreis gesehen (wenn auch seltener). Es war toll, ich habe mich selten so erwachsen gefühlt. Ich genieße es ja wirklich, dass ich meinen Eltern keine Rechenschaft schuldig bin, warum ich erst so spät nach hause komme. Aber, dass alleine wohnen hat auch Nachteile. Wenn ich mal einsam bin, bin ich einsam. Maik wohnt zwar sehr nahe, aber durch seine Fahrgemeinschaft mit unserem Kumpel, ist es eher schwer mal spontan zu mir zu kommen und er ist gerade im letzten Schuljahr vor dem Abi. Also braucht er viel Schlaf um gut lernen zu können. Außerdem kann ich nicht jedes mal piep machen, wenn es mir nicht gut geht. Ich muss ja in gewisser Weise selbst damit zurecht kommen. Also schreibe ich jetzt meinen Blog weiter, mal sehen wie lange ich das durchhalte. Wie das ganze begonnen hat? Mit einem Telefonat mit meinen Eltern, das war vor ca 3 Wochen. Wir haben über völlig belangloses geredet und es war das erste Telefonat seit...ja.. ebenfalls 3 Wochen. Als Kind und vor allem junger Erwachsener braucht man seine Eltern sehr. Sie geben dir die Wurzeln, um standhaft zu bleiben und die Flügel um aus dir hinauszuwachsen. Tja, ich habe in dem Sinne keine Wurzeln. Mein Leben ist ein on-way-Zug. Andere können ausziehen und immer heimkommen, wenn etwas ist, bei mir geht das nicht. Dafür wohnen meine Erzeuger zu weit entfernt. Zurück zum Telefonat. Wenn ich mir mich selber als Mutter vorstelle, wünsche ich mir, dass ich an all die Sachen denken, die meine Eltern nicht schaffen. Das ist besonders der emotionale Aspekt in dieser Familie. Die Frage nach dem "Wie geht es dir?" "Hast du irgendwelche Probleme?" "Läuft alles so, wie du es dir wünscht?" kommen nicht und ich brauche sie um zu reden. Stattdessen reden wir über Supermarktangebote und was alles an ihrem "neuen" Haus verändert wird. Und das nach 3 Wochen Sendepause. Einen Tag später, beim arbeiten, alles war gut, hat mich die Panik aus dem Nichts überrannt. Normal handeln konnte ich nicht mehr. Ich konnte nicht mehr atmen, mir war speiübel, ich hab gezittert und geweint und das ist nicht gut, denn ich arbeite mit geistig schwer Behinderten, die das ganz anders warhnehmen. Meine Vorgesetzte hat mich heim geschickt. Seitdem hab ich jeden Morgen Probleme, nach einem Wochenende ist es nochmal schlimmer, Frühstücken und Abendessen geht kaum, denn Tag über funktioniere ich wieder.  Jetzt kann man natürlich sagen, selber Schuld, dann rede halt darüber. Das letzte Mal, dass ich über meine Gefühle, Empfindungen und Probleme gesprochen habe, ist wahrscheinlich 5 Jahre her. Natürlich nur bei meinen Eltern. Ich nehme mir fest vor am 6. Dezember (da kommen sie hierher) mit ihnen darüber zu reden.

 

Das sieht dann ungefähr so aus: " Mama, Papa, ich muss euch was sagen. Ich kann nicht mehr. Ich kann nicht mehr atmen, ich kann nicht mehr ohne morgendliche Panik zur Arbeit gehen. Jeden Abend vor der Arbeit geht es mir schlecht, ich könnte heulen. Meine "Seele" tut mir weh. Das Herz wird schwer, der Magen flau. Ich esse, weil mein Körper essen muss. Ich habe schreckliche Angst alleine zu sein, ich habe das Gefühl alle verstehen mich und doch keiner. Es fällt mir so schwer mit euch darüber zu sprechen, weil ich Angst habe. Angst vor Zurückweisung. Ihr müsst es nicht einmal verstehen, es reicht, wenn ihr es akzeptiert. Ich glaube es ist schwer mit einer psychisch kranken Tochter. Vielleicht könnt ihr manchmal gar nichts mit mir anfangen. Ihr sagt ihr seht mich nie lächeln, zumindest habt ihr das gesagt, weil wir uns ja inzwischen kaum sehen. Ich will euch nicht wirklich die Schuld daran geben, aber das liegt wohl wirklich daran, dass ich mich mit der Zeit einfach nicht mehr wohl gefühlt habe in unserer Familie. Ich wollte überall anders sein. Zum Teil auch wegen meinem Bruder (er ist sehr aufbrausend und war früher gewaltbereit) 

Was ich eigentlich sagen will, ich wünsche mir einfach keine Aussagen wie "Denk doch einfach nicht daran, dann geht es schon weg" oder "das bildest du dir nur ein" ich will nur mal ein bisschen von "Geht es dir gut?" "Brauchst du was?" und etwas weniger von "Übrigens letztens gab es zum Wasser eine Tupperdose gratis" (so in etwa halt) Ich hab euch so lieb, ihr seid meine Eltern und ich habe einfach das Gefühl, und das ist keine Tatsache, sondern meine Empfindung, dass ich euch nicht so wichtig bin und das tut mir weh. Ihr seid bei der erst besten Gelegenheit weggezogen, ihr habt gesagt, es dauert noch mindestens 5 Jahre und dann ein halbes Jahr später stand ich alleine in meiner ersten Wohnung. Es war hart. Ich hab es versucht. Mich zu entspannen, es locker anzugehen. Ich habe viel geheult. Ich heule auch heute noch viel. Ich bin fast 22 Jahre und ihr werdet lachen, fühle mich dafür kaum erwachsen. Manchmal bin ich zu faul mir etwas zu essen zu kochen und ja, Mama, da vermisse ich wirklich dein gekochtes Essen. Ich vermisse euch, ihr habt mich so selten umarmt. Klar zur Begrüßung und Verabschiedung, aber kein Nähe-Emotionales-Lieb-haben-Umarmen. Mein Bruder würde das gar nicht mögen, ich weiß, aber ich brauche es. Sogar sehr. "

 

 

Danke fürs Lesen,

 

Lily emotion

26.11.17 20:22
 
Letzte Einträge: Wartezimmerdamen, Can't touch this (...nanana), Update zur Voreintrag- alles eine Frage der Kindheit?, Wir haben gequatscht, Ein bisschen Spannung, ein bisschen Erleichterung


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